Torfkraft für Afrika

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Die zentralafrikanische Republik Ruanda hat mit ca. 13 Millionen Einwohnern eine ähnliche Bevölkerungszahl wie Bayern, allerdings tummeln sich diese auf einem wesentlich kleineren Staatsgebiet.

  Ruanda Bayern
Staatsfläche in km², ca. 26.300 70.500
Einwohnerzahl heute, ca. 13 Mio 13 Mio
Einwohnerzahl im Jahre 3 Mio 6 Mio
(...) (1960) (1920)
Einwohner heute pro km² 468 184
Jährliche Geburtenrate in % 2,4 1

Nur ca. 25 Prozent der Einwohner Ruandas haben aktuell Zugang zu elektrischem Strom.

93 Prozent des gesamten Energieeinsatzes in Ruanda basiert auf Biomasse (Holz, Holzkohle), ähnlich wie in Bayern vor mehr als hundert Jahren (vorwiegend Feuerstellen in Haushalten) was zu Lasten der Wälder geht.

Um hier nun sehr rasch eine Verbesserung der Lebensbedingungen zu erreichen, ist insbesondere der Ausbau der Elektrizitätsversorgung in Ruanda von heutigen ca. 200 MW Leistung auf nahezu 600 MW innerhalb weniger Jahre geplant.

Dabei will man schon aus Kostengründen von mit Diesel und Schweröl betriebenen Generatoren wegkommen. Durch einen breiten Energiemix auf der Basis heimischer Ressourcen soll auch ökologisch zukunftsorientiert gehandelt werden. Einen Beitrag zur Energieversorgung Ruandas liefern dabei Torfkraftwerke.

Situation:

In der Zentralregion Afrikas finden sich ausgedehnte Moore und Torflager. Sie liegen in eingeschnittenen Flusstälern und haben den Charakter eines Niedermoors.

Für den Torfabbau ist eine Fläche von ca. 500 km² (= 50.000 Hektar) vorgesehen, die in den nächsten 25 Jahren ausgebeutet werden soll. Das entspricht ungefähr der Fläche aller bayrischen Hochmoore (davon Kendlmühlfilzen im Chiemgau: ca. 8 km² = 800 Hektar).

Durch die Landschaftsgestaltung und Entwässerungsmaßnahmen im Zuge des Torfabbaus erhofft man sich auch eine Reduktion von Überschwemmungsrisiken in diesen Tälern.

Im Jahr 2017 wurde die erste Ausbaustufe der neuen Torfkraftwerke in Betrieb genommen. Die Leistung des Torfkraftwerks im südlich des Kiwu-See gelegenen Gishoma ist mit 15 MW zwar noch bescheiden, und ähnlich groß wie von der Wiesmoor-Kraftzentrale in Ostfriesland vor 100 Jahren. 2019 soll aber die Anlage in Gisagara östlich von Butare an der Grenze zu Burundi, zusätzlich 80 MW liefern und weitere Torfkraftwerke sind geplant.

In Ruanda sollen auch andere Energieträger zum Einsatz kommen, u.a. Faulgas (Methan). Im Kiwu- See sind durch den hohen Wasserdruck in nahezu 500 m Tiefe sehr große Mengen Methan im Wasser gespeichert, das u.a. durch die Überdüngung (Eutrophierung) des Wassers mit Abwässern infolge der Bevölkerungsentwicklung stark zunimmt.

Mit der Entnahme des Faulgases wird nicht nur ein Beitrag zur nachhaltigen Energiegewinnung geleistet, sondern auch einer möglichen Umweltkatastrophe vorgebeugt. Wenn die Sättigungsgrenze für Faulgas im Wasser erreicht würde, könnte ein sog. "Gasausbruch" des Sees (Champagner-Effekt) erfolgen. In anderen Teilen Afrikas ist das schon vorgekommen, wobei ganze Landstriche verwüstet wurden und Tausende Todesopfer zu beklagen waren.

Ähnlich wie in Deutschland vor 150 Jahren erzwingt also die Bevölkerungsentwicklung im wirtschaftsschwachen Ruanda den massiven Ausbau der Energieproduktion auf der Basis heimischer Ressourcen. Die Geschichte wiederholt sich, nur sind die Größenordnungen jetzt ganz andere. Die Bevölkerung in Afrika wird sich in den nächsten 30 Jahren von einer Milliarde auf zwei Milliarden schlichtweg verdoppeln. Wenn dieser Kontinent sich selbst überlassen bleibt, wird er sich alternativlos über seine Naturressourcen in ungeahntem Maße hermachen müssen bzw. werden die afrikanischen Kollegen bei uns vor der Türe stehen. Aus der Sicht Ruandas ist Bayern nämlich vergleichsweise dünn besiedelt.

Ähnlich massive Probleme finden sich auch in Südamerika und Asien, weswegen die deutsche Moornabelschau mit der angeblichen globalen Relevanz der deutschen Kleinmoore nur ein fehlendes Augenmaß für die Ungeheuerlichkeit der globalen Öko-Probleme signalisiert.

In den nächsten 30 Jahren soll sich aber angeblich der Weg des globalen Klimawandels entscheiden, bei dem man hinsichtlich der ökologischen Zukunft des Planeten angesichts extrem divergierender Interessenslagen und den überschaubaren Problemlösungsmöglichkeiten der Politik auf diesem Planeten durchaus skeptisch sein muss.

Übrigens:

Die größten Kreuzfahrtschiffe dieser Welt verfügen inzwischen über elektrisch-mechanische Gesamtleistungen von deutlich über 100 MegaWatt, die thermische Leistung bewegt sich schon in Richtung 0,5 GigaWatt. Rein rechnerisch könnte so ein Kreuzfahrtschiff mit dem Energiegehalt der Kendlmühlfilzen nur wenige Monate betrieben werden, dann wäre die Filzen mehrere Meter tief ausgeräumt.

Aktueller Leistungsvergleich:
2 Kreuzfahrtschiffe (ein paar Tausend Passagiere) = 1 x Ruanda (13 Millionen Einwohner).
Die meisten Kreuzfahrtschiffe fahren noch mit Schweröl, von dem sich zumindest Ruanda nun verabschieden will.

In Deutschland liegt die gesamte installierte elektrische Generatorleistung bei ca. 200 GigaWatt, also um den Faktor 1.000 höher als aktuell in Ruanda. Der Anteil regenerativer Energien am gesamten Primärenergieeinsatz Deutschlands liegt bei nur 13 Prozent!

Solange sich unsere angebliche Sorge ums Klima vorzugsweise in Form torffrei gefüllter Blumentöpfe und wenig zielführenden Manipulationen an "Pseudomoorflächen" auf Kosten der Anrainer abreagiert, hat Deutschland der Restwelt keine ökologischen Handlungsanweisungen aufzudrängen, von seiner eingebildeten Vorreiterrolle ganz zu schweigen.

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