Torf in der Landwirtschaft

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Streutorf

Einstreu wird heute immer weniger in der landwirtschaftlichen Viehhaltung eingesetzt, obwohl man durchaus weiß, dass eine behaglich eingestreute "Lagerstätte" für die Befindlichkeit des "lieben Viehs" von hoher Bedeutung wäre.

Nicht unwesentlich bei der Viehhaltung ist die Wärmeisolierung der Einstreu bei der Lagerung des Viehs auf dem Boden. Was den "Behaglichkeitsfaktor" für das Vieh angeht, ist Torf mit seinem Filz aus Mikro-Hohlfasern im Vergleich zu anderen Einstreumaterialien, wie z.B. Stroh, unübertroffen.

Unübertroffen ist Streutorf auch im Hinblick auf seine hervorragende Aufnahmefähigkeit für diverse flüssige "Rückstände" bei der Viehhaltung und liefert auch damit einen weiteren wichtigen Beitrag zur Befindlichkeit des Viehs (wie es ganz ähnlich in der "Pampers"-Reklame bzgl. des Trockenlegens für den familiären Nachwuchs betont wird). Die antibakterielle Wirkung von Torf in der Nutztierhaltung reduziert z.B. auch Klauen- und Fußerkrankungen bei Stallhaltung.

Ammoniak bzw. Ammoniumsalze aus den tierischen Ausscheidungen werden sehr effektiv absorbiert, wodurch Geruchsbelästigung und der Verlust von Stickstoffverbindungen erheblich vermindert werden. Torf wurde daher sehr erfolgreich als Einstreu in der Groß- und Kleinviehhaltung bzw. der Geflügelzucht eingesetzt.

Allerdings war die Verwendung von Torf als Einstreu wegen des Preises kein Selbstläufer bei den Agrarökonomen: Man behalf sich aus Sparsamkeit lieber mit unzulänglicheren Eigenprodukten wie Stroh oder ging nach wie vor in den Wald und bediente sich an der Baumstreu, was nun wiederum dem Wald auf Dauer nicht gut tat.

Heute wird Torf als hocheffektive Einstreu noch bei hobbymäßig gehaltenen Kleintieren nach wie vor geschätzt, wie folgende Werbetafel in einem Gartencenter zeigt:

Torf und Dünger

Die "verbrauchte" Einstreu = Torfmist stellte natürlich einen hocheffektiven Dünger dar und verbesserte insbesondere schwere Böden durch den Dauerhumusbeitrag des Torfs. Im Sinne dieser Philosophie wurden auch die menschlichen "Rückstände" aus torfgefüllten Trockentoiletten schon vor mehr als hundert Jahren als volkswirtschaftlich relevanter Dünger betrachtet (insbesondere auch wegen seines Phosphorgehalts).

Auslöser für den Torftoiletten-Hype war die Cholera- Epidemie in Hamburg von 1892 (also noch nicht einmal vor 130 Jahren). Sie wurde infolge eines praktisch nicht vorhandenen Abwasser- Managements durch verseuchtes Elbwasser verursacht. Bei ungünstigen Gezeitenverhältnissen wurden die Abwässer in der Elbe stromaufwärts in die Brauchwasserentnahmestellen gedrückt.

Da die Sanierung der hydrologischen Missstände nicht in überschaubaren Zeiträumen zu bewerkstelligen war, setzte man zumindest zeitweise auf eine Fäkalentsorgung der Bevölkerung durch torfbasierte Trockentoiletten. Der Torf wurde dabei mit 2% Schwefelsäure versetzt, um seine Desinfektionswirkung zu erhöhen.

Die "Ergebnisse" wurden als hocheffektiver Dünger von hohem volkswirtschaftlichem Wert (u.a. hoher Phosphorgehalt) eingeschätzt und bekamen in ihrer weiterverarbeiteten Form damals die unverfängliche vornehm-französische Bezeichnung "Poudrette", auf Deutsch: "Pülverchen".

Torf im Viehfutter

Es war schon immer bekannt, dass Torf (ähnlich wie Pflanzenkohle) eine ausgeprägte "Heilerde"- funktion hat, was man schon daran erkennen kann, dass z.B. manche Hunde beim Gassigehen im Moor begierig frischen Torf fressen. Torf im Futter trägt also durchaus zu einer gesunden Verdauung bei.

So konnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Im Sinne einer weitestgehenden Verwertung von industriell anfallenden Reststoffen mit "Nährwert" wurde daher vor hundert Jahren flüssige Zuckermelasse als Rückstand bei der Zuckerherstellung mit saugfähigem Torf gebunden und nach einer Trocknung und Granulierung als energiereiches Viehfutter eingesetzt. Diese Vorgehensweise bei der "Resteverwertung" hört sich noch vergleichsweise appetitlich an angesichts der Verfütterung von Klärschlamm, die bis vor nicht allzu langer Zeit in unserer modernen Gesellschaft praktiziert wurde.

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