Kompost statt Torf

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Letztlich erfordert die Verwendung von Torf bzw. von Ersatzstoffen hierfür eine gewisse Sachkenntnis. Wird Torf unsachgemäß verwendet, so endet das oft genug in Enttäuschungen, wofür aber der Torf nichts kann. Wenn nicht gerade ein saurer Moorboden eingestellt werden soll, kommt der schlichte Hobbygartenbau sicher mit der Verwendung von Kompost und Kompost-Sandgemischen genausoweit wie bei Verwendung eines Ballen Torfs und liefert damit vor allem auch einen Beitrag zu Entsorgung und Recycling von lokal anfallendem Grünschnitt.

Supererden selbst herstellen

Kompost-Selbstversorger können sich mit wenig Aufwand Erden hoher Qualität selbst herstellen: Ziel ist dabei ein möglichst hoher Anteil an Ton- Humus-Komplexen für eine optimale Nährstoffspeicherung und -vermittlung an die Pflanzenwurzeln bzw. die Anregung eines intensiven mikrobiellen Bodenlebens.

Hierzu kann man dem umzusetzenden Pflanzenmaterial verschiedene Mineralien bzw. Pflanzenkohle zusetzen. Wichtig ist, die Mineralien möglichst fein gemahlen einzuarbeiten, um eine rasche und umfängliche Wirkung zu erreichen. Weiterhin sollten diese Stoffe möglichst homogen verteilt in einem sehr frühen Stadium der Kompostierung der Biomasse zugesetzt werden.

Der Regenwurm wirkt mit seinem Verdauungsprozess als Bioreaktor, der bei seiner Biomassemahlzeit eine mineralische Beilage schätzt. Nur so werden diese zukünftigen Bodenbestandteile in alle ablaufenden Stoffwechselprozesse während der Kompostierung einbezogen und dadurch biochemisch aktiviert. Ein nachträgliches Zufügen der mineralischen Zuschlagstoffe zum bereits reifen Kompost ist weit weniger wirkungsvoll.

Vorteilhafte Mineralkomponenten sind in diesem Zusammenhang:

  • Gesteinsmehl aus Lava (Diabas, Basalt):
    enthält u.a. wesentliche Spurenelemente, die in vielen unserer "normalen" Mineralböden oft nicht ausreichend vorhanden sind.
  • Calcium-Bentonit (Agrar-Bentonit):
    Tonmineral vulkanischen Ursprungs aus niederbayrischen Lagerstätten für die Bildung von Ton-Humus-Komplexen für eine optimale Humusstabilisierung und Krümelbildung. Hohe Ionentauschfähigkeit für effektive Nährstoffspeicherung und Vermittlung. Bentonit wird im Gartencenter auch als "Sandbodenverbesserer" angeboten.
  • Zeolith:
    Ebenfalls ein hocheffektives anorganisches Ionenaustauschermineral vulkanischen Ursprungs mit hoher Sorptionskapazität/ Speicherwirkung für Wasser und Nährstoffe.
  • Pflanzenkohle:
    effektiver Nährstoffspeicher und Vermittler, ist auch fürs Ökogewissen gut und vermittelt die Illusion von TerraPreta im Amazonas und Weltrettung.

Diese Stoffe eignen sich, ähnlich wie Torf, auch hervorragend in der Landwirtschaft u.a. zur Güllebehandlung und als Heilerden. Es genügt, wenn die frische Biomasse nach dem Vermischen mit den Mineralmehlen ohne Überschuss gut eingestäubt ist. Zu hohe Zugaben von Ton- und Gesteinsmehlen könnten u.U. die Bodenchemie aus dem Takt bringen (z.B. durch zu hohen pH-Wert), was kontraproduktiv wäre.

Sollte ein guter Lehmboden mit ausreichendem Tongehalt zur Verfügung stehen, so tut natürlich auch dieser seinen Zweck bei der Kompostierung, und man kann auf die teuren "Spezialmittelchen" weitgehend verzichten. Aber auch hier gilt: Eine intensive und möglichst homogene Vermischung mit dem frischen Pflanzenmaterial ist entscheidend.

Kompost und der Klimawandel

Bei allem Respekt vor der deutschen Öko-Widerstandlinie "Blumentopf" sollte man bzgl. der ökologischen Problematik einer sinnvollen Torfnutzung die globalen Verhältnisse nicht aus den Augen verlieren, wo tatsächlich ein eklatanter Raubbau in ganz anderen Größenordnungen an Mooren betrieben wird, um Beiträge zur deutschen Konsumlust zu liefern:

In Indonesien werden für Ölpalmenplantagen Hunderttausende von Quadratkilometern (mehr als 10.000 x Fläche der Kendlmühlfilzen) der ökologisch extrem wertvollen Tropenwaldmoore einschließlich der meterdicken Torfböden mit ihrem Kohlenstoffgehalt ganz schnöde abgebrannt. Die Rauchschwaden sind sogar aus dem Weltraum zu beobachten. Die freigesetzten Treibhausgasmengen können bequem mit den Emissionen der Industrienationen konkurrieren. Dieses Palmöl bzw. Palmkernfett wird aber bevorzugt in Industrienationen weiterverarbeitet (u.a. "energetisch verwertet"), z.T. mit dem Hinweis, wie ökologisch orientiert man sei, weil damit oft Mineralöle ersetzt werden. Da staunen die Orang-Utans auf Sumatra und Borneo.

Das Vermeiden von Ölpalmenprodukten aus ehemaligen Tropenmooren wird aber von "Otto Normalverbraucher" sicher als "uncool" empfunden, weil es mit Konsumverzicht behaftet wäre. Palmöle und -fette sind schließlich in einer Vielzahl sehr gängiger Produkte enthalten, einschließlich Treibstoffen. Palmkernfette verstecken sich in den Zutatenlisten von Produkten hinter dem Begriff "-Laurate". Da pflegen wir unser Umweltgewissen doch lieber mit dem torffrei gefüllten bundesdeutschen Blumentopf, verweisen auf die angeblich globale Wichtigkeit der Wiedervernässung unserer ehemaligen Kleinstmoore und konsumieren fragwürdige Palmöle fröhlich weiter.

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