Moor ist nicht gleich Moor: Moortypen

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Die im Hinblick auf Nutzung und Ökologie am häufigsten beschriebenen Grundtypen der Moore sind die Nieder-, Übergangs- und Hochmoore sowie die Waldmoore. Natürlich gibt es daneben auch weitere Sonderformen bzw. Bezeichnungsweisen, die z.B. hydrologische Aspekte des Wasserhaushalts berücksichtigen wie Verlandungsmoor, Durchströmungsmoor, Versumpfungsmoor etc. Landläufig bietet sich auch die pflanzliche Artenzusammensetzung (Bewuchs mit Moosen, Gräsern, Latschen oder Bäumen etc.) für die Klassifizierung an.

Im Zuge der agrar-wissenschaftlich fundierten Moorkultivierungen um 1900 teilte man die Moortypen nach der Bodenqualität ein, insbesondere über den Calciumgehalt der Bodensubstanz (Trockenmasse):

Hochmoor < 0,5% Ca
Übergangsmoor 0,5–2,5% Ca
Niedermoor > 2,5% Ca

Niedermoor

(alte Bezeichnungen: Flachmoor, Niederungsmoor, Wiesenmoor, Grünlandmoor, Ried)

Niedermoore sind grundwassergespeist und damit nährstoffbegünstigt! Insbesondere weisen sie meist einen höheren Gehalt an Kalk auf. Im Gegensatz zu Hochmooren reagieren damit die Böden von Niedermooren wenig sauer bis neutral (pH 6–7), z.T. sogar leicht alkalisch. Sie sind deshalb im Prinzip fruchtbar und weisen im Gegensatz zu Hochmooren eine hohe Artenvielfalt auf.

Nutzung

Niedermoore stellten ursprünglich in Mitteleuropa flächenmäßig die weitaus häufigste Form von Mooren dar. Sie wurden und werden deshalb umfänglich wegen ihrer vorteilhaften Bodenzusammensetzung konsequent entwässert und agrarisch genutzt. Ein Laie erkennt in diesen Fällen heute oft gar nicht mehr, dass er sich auf ehemaligem Moorgelände bewegt.

Bei intensiver Kultivierung ergeben sich leistungsfähige Agrarböden (Wiesen, Weiden, Ackerbau, Gartenbau etc.). Allerdings ist bei diesen betont humushaltigen Böden damit oft das Risiko von erhöhtem Bodenverlust und Treibhausgasemissionen gekoppelt, das durch geeignete Bodenbearbeitungsstrategien entschärft werden muss (z.B. Mischung mit Mineralböden).

Hochmoor

(alternative Bezeichnung: Regenmoor)

Bei den meisten Zeitgenossen baut sich vor dem geistigen Auge beim Begriff "Moor" die Hochmoorszenerie eines lebensfeindlichen, düsteren, kargen und nassen Ödlandes auf, bestens geeignet für Schauermärchen wie dem "Hund von Baskerville".

In unseren Breiten finden sich Hochmoore bei Weitem nicht so häufig wie Niedermoore. Der Haushalt von Wasser und Nährstoffen wird weitestgehend durch Zufuhr von Regen mit seinem äußerst geringen Nährstoffgehalt (z.B. in Form von Staub) bestimmt.

Der Boden ist unfruchtbar und sehr sauer, er enthält nur sehr wenige Mineralstoffe, insbesondere keinen Kalk. Der Hochmoorboden besteht bis zu 90% aus Wasser.

Hochmoore weisen nur eine sehr geringe Biomasseproduktion auf. Die Artenvielfalt ist sehr gering, sie weist allerdings interessante, auf das Leben im Hochmoor spezialisierte Pflanzen und Tiere auf.

Intakte Hochmoore sind entgegen landläufiger Öko-Meinung bzgl. lokaler Hydrologie (angebliche Schwammwirkung!) und Klima kaum wirksam. Positive Beiträge zur Treibhausgasbilanz sind wegen der geringen Biomasseleistung in unseren Breiten sehr dürftig. Die Öko-Bilanz kann sogar deutlich ins Negative verschoben werden, wenn über lange Zeiten spontan renaturierte ehemalige Hochmoorflächen durch gedankenlose Wiedervernässung aus ihrem bestehenden Öko-Gleichgewicht gebracht werden (Beispiel: Kendlmühlfilzen, Südliche Chiemseemoore).

Nutzung

Die landwirtschaftliche Kultivierung von Hochmooren ist wesentlich komplizierter und aufwendiger als die Urbarmachung von Niedermooren.

In früheren Zeiten hat man Hochmoorböden deswegen auch teilweise gegen Mineralböden ausgetauscht (Fehnkultur in Holland).

Erst im 19. Jahrhundert lieferten die aufblühenden Naturwissenschaften die bodenkundlichen Grundlagen für eine funktionierende unmittelbare Kultivierung von Hochmoorböden (Einrichtung von Moorversuchsstationen im 19. Jahrhundert in Bremen, Anfang des 20. Jahrhunderts in Bayern, z.B. in Bernau am Chiemsee).

Hochmoore wurden und werden wegen der spezifischen Materialeigenschaften des Torfs auch als Rohstoffquelle u.a. für qualitativ hochwertigen Substrattorf und Einstreu für die Tierhaltung sowie für Brenntorf genutzt.

Übergangsmoor

Der Typ eines Moores kann sich im Lauf der Zeit ändern. Ein oft zitierter Mechanismus ist die Überlagerung eines ursprünglichen Niedermoores mit einer Hochmoorschicht, wenn das Grundwasser infolge des Dickenwachstums des Moores die ursprünglich niedermoor-typische Vegetationsschicht nicht mehr erreicht. Das Moor kann dennoch durch das Auftreten neuer Pflanzenarten weiter wachsen: Der Wasserhaushalt an der Mooroberfläche wird dann zunehmend durch Regenwasser bestimmt und es bildet sich eine Übergangsform in der Zusammensetzung der Vegetation in Richtung Hochmoor, das sog. Übergangsmoor. Viele ehemalige Hochmoorflächen entwickeln sich bei der aktuell beliebten Wiedervernässung infolge der abrupten Wasser- und Nährstoffzufuhr zu Übergangsmooren zurück.

Waldmoor, Bruchwald

Moore mit hoch aufgewachsenem Baumbestand, hohe Biomasseproduktion, große Artenvielfalt. Der Moorkörper baut sich durch Vertorfung von Holz auf.

Die meisten Braun- und Steinkohlelager unserer Erde gehen auf erdgeschichtliche Waldmoore u.a. mit Großbäumen (z.B. Mammutbäumen) zurück, was deren Kohlenstoff-Speicherfähigkeit bestens belegt. Ausgedehnte Tropenwaldmoore existieren auch heute (gerade) noch. In Indonesien (u.a. Borneo) werden aber aktuell riesige Flächen solcher Moore (über 100.000 km²) mit ihrem Baumbestand und dem darunterliegenden meterdicken Moorboden gebrandschatzt, um Ölpalmen für das angeblich "ökologisch korrekte" Palmöl anzupflanzen, das insbesondere in den Industrienationen zum Aufpolieren der eigenen Öko-Bilanz eingesetzt wird; Stichwort Biodiesel.

Im Hinblick auf die Klimawirksamkeit und Treibhausgasbilanzen liefern die Waldmoore die effektivsten Beiträge durch die umfangreiche Bindung von atmosphärischem CO2 bei der Holzproduktion. Die spontane Wandlung von ehemaligen Hochmoorflächen in Richtung Waldmoor wäre für die aktuelle Treibhausgasproblematik nur von Vorteil. Die bei uns praktizierte Zerstörung von Moorwäldern durch übertriebene Wiedervernässung als Voraussetzung für die angebliche Re-Installation von vergangenen Hochmooren widerspricht den vorgegebenen Klimazielen der Öko-Fraktion. Trostpflaster für die Wasservogelfreunde: Waldmoore hätten z.B. den Schwarzstorch zu bieten.

Moore in Nord- und Süddeutschland

Moore in Nord- und Süddeutschland unterscheiden sich erheblich. In Norddeutschland bzw. Nordwest-Mitteleuropa zeigen viele Moore eine auffällige Gliederung des Moorkörpers in zwei Zonen aus einer z.T. meterdicken Schicht von oberflächennahem, wenig zersetzten, sehr hell gefärbten Weißtorf mit ausgeprägter Faserstruktur (vorwiegend aus Torfmoosen) und einer tieferliegenden Schwarztorfschicht von puddingartiger Konsistenz aus starker zersetzter Biomasse. Die beiden Zonen sind durch einen schmalen, aber sehr markanten sog. Grenzhorizont getrennt, dessen Ursprung noch nicht ganz verstanden ist (abrupter Klimawandel?).

Süddeutsche Moore zeigen hingegen bereits an der Oberfläche des Moorkörpers eine deutlich dunklere Torfsubstanz und ein kontinuierliches Tiefenprofil bzgl. zunehmender Zersetzung und Inkohlung der Biomasse.

Ursache hierfür sind u.a. klimatische Unterschiede infolge der südlicheren Lage der Voralpenmoore mit höheren mittleren Temperaturen. Am Alpenrand fallen auch wesentlich höhere Niederschlagsmengen an als in Norddeutschland. Eine Spezialität der gebirgsnahen Hochmoorbildungen sind dadurch die sog. Filzen mit dem Aufwuchs von Latschen und anderen niedrigen Baumformen.

Insgesamt läuft im Süden auch infolge eines intensiveren Bodenlebens an der Mooroberfläche die Vertorfung/Humifizierung der anfallenden abgestorbenen Moorvegetation schneller ab als im hohen Norden.

Zumindest Ende des 19. Jahrhunderts hatte man in Bayern verstanden, dass Erkenntnisse in Sachen norddeutscher Moore nicht ohne Weiteres auf die Voralpenregion (z.B. Chiemseemoore) übertragen werden können. Deswegen wurden in Bayern eigene Moorforschungseinrichtungen geschaffen, z.B. in Bernau am Chiemsee. Heute geht man im bergigen Bayern mit der unkritischen Übernahme der norddeutschen Mode der Wiedervernässung (entwickelt für pfannenebenes kahles Flachland nach Frästorfabbau) bei aktuellen Moorrenaturierungen weit salopper mit der Landschaft um.

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