In der aktuellen Öko-Diskussion wird immer von "den Mooren" schwadroniert, denen man ganz pauschal irgendwelche, nur vorteilhafte Eigenschaften zuordnet und beim Umgang mit ihnen alles über einen Kamm scheren kann.

Richtig ist vielmehr: "Das Moor" gibt es schlichtweg nicht. Es sind äußerst vielfältige Lebensräume mit sehr individuellen Ausgestaltungen. Sogar sehr eng benachbarte Moore mit einem, auf den ersten Blick identischen Erscheinungsbild können z.B. in ihren Ökobilanzen gegensätzlich wirken: Das eine positiv, das andere negativ und man ist erst dabei, durch intensivere Untersuchungen dafür ein Verständnis zu entwickeln.

Auch innerhalb eines Moores können durch lokalklimatische Unterschiede andersartige Entwicklungen verursacht werden. Dies wurde sehr schön durch die Moorversuchsstation Bernau in den südlichen Chiemseemooren gezeigt, wo sich deutliche Unterschiede in der Niederschlagsbilanz ergeben, je nachdem, welche Abstände die untersuchten Moorflächen zu den Bergen haben.

Die ökopropagandistische Einheitssoße vom deutschen Supermoor, das die Welt rettet, wenn man pauschal alle nur möglichen Geländeformationen unter Wasser setzt, ist schlichtweg Unsinn.

Allein bei der Kultivierung und Nutzung von Mooren in den vergangenen Zeiten hatte man mit hohem Sachverstand den sehr unterschiedlichen Befindlichkeiten der individuellen Moortypen Rechnung getragen, weil andernfalls Scheitern und Misserfolg vorprogrammiert wären. Deswegen sind auch die meisten Pauschalaussagen über die ökologische Wirksamkeit von Mooren sehr mit Vorsicht zu genießen, soweit sie nicht durch wissenschaftliche Prüfung am konkreten Moorstandort untermauert sind. Es ist z.B. schlichtweg Unfug, Erkenntnisse über Niedermoore unbesehen auf Hochmoore übertragen zu wollen (was in der öffentlichen Moordiskussion selbst von Politikern praktiziert wird).

Ein Vergleich: Trinkwasser und Salzwasser schauen ungefähr gleich aus, beide wären daher nach gängiger Öko- Logik "Wasser" und könnten undifferenziert überall in gleicher Weise verwendet werden. Es ist unmittelbar einsichtig, dass es beim ersten Schluck eines solchen "Wassers" eine unangenehme Überraschung geben kann. Von ähnlich schlichter Qualität ist der undifferenzierte Umgang mit den "Mooren" in der öffentlich geführten Öko-Diskussion.

Moore hängen in ihrer jeweiligen Ausprägung sehr sensibel von vielfältigsten Einflussgrößen und vom jeweiligen Standort ab. Es gibt Moore sowohl in den Subpolarregionen, den gemäßigten Klimazonen und den Tropen, die sich fundamental in ihren "Arbeitsweisen" unterscheiden, insbesondere auch in ihren ökologischen "Beiträgen" und Wirksamkeiten. Selbst intakte Hochmoore wirken sich entgegen gängiger Öko-Propaganda auf Klima und Hydrologie in einer Region nur sehr begrenzt aus, und auch die immer ins Feld geführte Treibhausgasbindung ist äußerst bescheiden, um es höflich auszudrücken.

Was ist ein Moor?

Der Begriff "Moor" ist etwas ungenau mit einer Vielzahl von Bedeutungen besetzt, was die Diskussion nicht unbedingt erleichtert.

Es kann gemeint sein:

  • eine oberflächlich nasse Landschaftsform mit spezieller Flora und Fauna,
  • der gesamte Moorkomplex aus der belebten Mooroberfläche und der darunter liegenden unbelebten Torflagerstätte aus abgestorbener und in Umsetzung begriffener Biomasse,
  • die Moorsubstanz (Torf) wie bei Begriffen wie Heilmoor, Trinkmoor, Bademoor.

Oft werden die Begriffe "Moor" und "Sumpf" trotz aller Unterschiede synonym verwendet. Zur Versachlichung der Diskussion schaut man sich am besten die bodenkundliche Definition von "Moor" bzw. "Moorboden" an.

Die Fachwelt hat sich auf eine sehr allgemeine Beschreibung geeinigt:
Ein Moorboden liegt vor, wenn

  • das Bodenmaterial mindestens 30 Gewichts-% organisches Material (Humus = abgestorbene Biomasse) in der Trockensubstanz aufweist. Der Rest sind anorganisch-mineralische Bestandteile (Ton, Lehm, Sand). Zum Vergleich: Viele Ackerböden weisen einen Gehalt an organischem Material (Humus) von nur wenigen Prozent in der Trockensubstanz auf.
  • diese Schicht mindestens 30 cm tief ist. Diese Bedingung ist durchaus sinnvoll, weil sie dem Wurzelraum niedriger moortypischer Pflanzen Rechnung trägt. Deren Entwicklung wird dann nicht mehr durch die mineralische Unterlage des Moores bestimmt, sondern eben nur noch durch die aufliegende Moorschicht.

Anzumerken ist, dass die Definition von Moorboden nirgends einen Zusammenhang mit dem Wasserhaushalt des Bodens beschreibt. Es gibt durchaus auch "trockenere" Versionen von Moorböden, wie z.B. die Moorheide.

Diese etwas willkürlich gezogenen Grenzen werden durch den Begriff "anmoorig" entschärft, mit dem Böden beschrieben werden, die diese Kriterien knapp verfehlen. Anmoorige Böden können aber je nach Fragestellung und Umgebungsbedingung natürlich einige Analogien zu "echten" Moorböden aufweisen. Anmoorige Böden sind oft die Anfangsform der Bodenentwicklung in Richtung eines "echten" Moores.

Das Moor wächst

Wenn dem Boden permanent mehr abgestorbene Biomasse zugeführt wird, als durch Bodenprozesse wieder abgebaut wird, so reichert sich im Boden eben organisches Material (Humus) zunehmend an. Dieser Anreicherungsprozess stellt eine Analogie zur dynamischen Gleichgewichtsbildung bei Gletschern dar, die ebenfalls wachsen, wenn im Einzugsgebiet mehr Schnee fällt, als Eis im tieferliegenden Bereich wegtaut. Besonders effektiv ist dieser Prozess, wenn der Biomasseabbau durch äußere Bedingungen gehemmt ist: Ein weit verbreiteter Mechanismus eines gehemmten Biomasseabbaus ist die Lagerung der vorwiegend pflanzlichen Biomasse unter Luftabschluss z.B. durch Versenken im Wasser: Es bildet sich Torf aus abgestorbenen Pflanzen wie Schilf, Riedgräsern, Wollgras, Moosen bis hin zu Bäumen.

Der Substanzzuwachs im Moor erfolgt langsam, weil nur ein kleiner Teil der anfallenden Biomasse als Torf gespeichert wird. Der Rest wird vollständig abgebaut und entweicht gasförmig (u.a. Treibhausgase) oder wird ausgeschwemmt. Auf diese Weise entsteht der Moorkörper, der letztlich eine Torflagerstätte darstellt, deren älteste Bestandteile Zehntausende von Jahren alt sein können. Der oft zitierte Zuwachs des Torfkörpers von 1mm/Jahr ist dabei lediglich eine äußerst grobe "Hausnummer" für unsere Breiten. Es werden in der Natur schon wegen klimatischer Unterschiede (Subpolarregionen – Tropen) von Fall zu Fall erhebliche Abweichungen beobachtet. Startschuss für die Moorbildung war in unseren Breiten das Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren.

Der Moorkörper ist selbst bei ungestörter Entwicklung in seinem Aufbau nicht homogen, sondern weist mit zunehmender Tiefe ein Alterungsprofil auf, das u.a. für den Wasserhaushalt/ die Hydrologie von Mooren wichtig ist.

In oberflächennahen jüngeren Moorschichten ist ein Teil des Wassers weitgehend frei beweglich, bzw. schwach gebunden. Dies führt zu dem nassen "Eindruck" von Mooroberflächen und dem Austausch von Oberflächenwasser über Zuflüsse, Abflüsse, Niederschlag und Verdunstung. In den tieferen Schichten des Moores ist der gealterte Torf zunehmend puddingartig pastös: Das Wasser ist physikalisch-chemisch stark gebunden und damit nicht beweglich. Es findet kein nennenswerter Wasseraustausch mehr statt, das Moor dichtet sich selbst zum Untergrund hin ab. Dieses Wasser kann durch übliche Entwässerungsmaßnahmen nicht entfernt werden.

Der Torfkörper kann je nach der Form des darunterliegenden Geländes z.B. in Senken große Mächtigkeit entwickeln. Schichtdicken bis über 10 m sind in mitteleuropäischen Mooren keine Seltenheit. In der Kendlmühlfilzen am Chiemsee beträgt die maximale Tiefe des Moores 7m.

Im flachen nördlichen Mitteleuropa findet man über weite Flächen auch geringere Moormächtigkeiten von 1 bis 2 m, die durch Tiefpflügen mit dem darunterliegenden Mineralboden vermischt und so in Kultur genommen wurden (z.B. im Emsland).

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